In Ungarn versichern Sie nicht Ihre Krankheit, sondern Ihre Gesundheit. An sich vom Begriff her eine sehr sympatische Sache.
 
Es gibt landesweit genau eine Gesundheitsversicherung, die jeden Einwohner Ungarns aufnehmen muss. Sofern Sie sich nicht über Ihre deutsche Krankenkasse mit dem Formular S 1 (früher E 121) bei der Gesundheitsversicherung anmelden (hier gibt es noch wichtige Unterschiede zwischen pflichtversicherten und freiwillig versicherten Mitgliedern), so können Sie sich nur direkt bei der Gesundheitsversicherung versichern. Diese darf Sie weder aufgrund Ihres Alters, noch aufgrund Ihres Gesundheitszustandes ausschließen, sondern nur wenn ein anderer Staat im EWR Sie pflichtversichert. Für freiwillige Mitglieder der ungarischen Versicherung beträgt die Prämie der Gesundheitsversicherung umgerechnet ca. 23,- € pro Person und Monat. Voraussetzung während des ersten Jahres Aufenthalt in Ungarn ist der Nachweis einer Vorversicherung in einer gesetzlichen Krankenkasse im EWR (Formular E 104), danach entfällt diese Bedingung.
 
Wichtig! Wer angibt Rentner zu sein bekommt keine freiwillige Versicherung mehr in Ungarn, da unterstellt wird, dass jeder Rentner beitragsfrei gesetzlich versichert ist. Das stimmt zwar für Ungarn, aber selbstverständlich nicht für Deutschland. Deutschland erfüllt nicht einmal die gültige EU Vereinbarung, dass alle Rentner pflichtversichert werden. Die ungarischen Behörden sind nicht bereit diese Tatsache zu akzeptieren. Demtentsprechend ist es sehr sinnvoll rechtzeitig in die ungarische Gesundheitsversicherung aufgenommen zu werden.
 
In Ungarn ist jeder Arbeitnehmer und jeder Selbständige in der Gesundheitsversicherung pflichtversichert. Die Prämie für Erbwerbstätige hängt von der Höhe des Lohns oder der Vergütung ab. Arbeitgeber und Arbeitnehmer tragen jeweils gesetzlich festgelegte Anteile an der Versicherungsprämie, der Arbeitnehmeranteil beträgt offiziell 7% des Einkommens, wird aber nicht mehr separat eingehalten.
 
Da es in Ungarn nur eine einzige Gesundheitsversicherung gibt und es nur einen Leistungskatalog gibt, sind die Bedingungen für alle Versicherten gleich. Der Leistungskatalog ist umfangreich und die Leistungen übersteigen in der Regel die Leistungen der deutschen Krankenkassen. Es gibt zwar Selbstbeteiligungen, aber die sind ebenfalls geringwertig. Wenn man bedenkt, dass das Durchschnittseinkommen nur etwa 480,- € netto im Monat beträgt kann man nachvollziehen, dass ungarische Versicherte keine hohen Selbstbeteiligungen bezahlen können.
 
Rein wirtschaftlich betrachtet ist es in aller Regel sinnvoll sich direkt in Ungarn zu versichern, da die Prämien sehr niedrig sind und die Leistungen sich immer am ungarischen Leistungekatalog orientiert, egal wo Sie versichert sind. Praktisch wird es Ihnen jedoch sehr schwer gemacht. Genauso wenig man Einwanderer versichern möchte, die nicht arbeiten, so sehr ist man dahinter her, dass jeder mit einer Erwerbstätigkeit hier Prämien bezahlt. Dieses ist also immer ein Weg in die Versicherung.
 
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